Über die Chancen von Elektromobilität in der Stadt hat sich der Umweltausschuss des Bezirks Marzahn-Hellersdorf bei seiner letzten Sitzung informiert. Auf Einladung der bündnisgrünen Ausschussvorsitzenden Bernadette Kern stellte Conrad Hammer von der Berliner Agentur für Elektromobilität Entwicklungen und Einsatzmöglichkeiten vor.
Die aktuellen Zahlen sind entmutigend: Lediglich 3000 Elektrofahrzeuge sind auf Berliner und Brandenburger Straßen unterwegs, davon sind 90 Prozent in gewerblicher Nutzung. Im Hintergrund aber tue sich viel, betonte Conrad Hammer. Derzeit gebe es in Berlin und Brandenburg 150 Projekte zum Thema Elektromobilität, 50 davon noch in der Vorbereitung. Typisch für Berlin als Großstadt seien dabei die sogenannten Verbundprojekte, die sich mit dem Personenverkehr beschäftigen.
Besonders interessant für die Ausschussmitglieder war die Frage, welche Möglichkeiten sich zum Thema Elektromobilität in Marzahn-Hellersdorf bieten. Hammer nannte als Möglichkeit die Umrüstung der bezirklichen Fahrzeugflotte. Die Agentur stehe mit den Herstellern in Verhandlung, um günstigere Konditionen für Bezirke zu erwirken. In Berlin-Mitte beispielsweise hätten das Grünflächenamt und das Ordnungsamt bereit jeweils zwei Elektrofahrzeuge im Einsatz.
Bei der Frage, ob der Aspekt der Elektromobilität in das Konzept der IGA 2017 integriert werden solle, gab sich der Projektmanager vorsichtig, aber bot seine Unterstützung an. Voraussetzung sei ein „Nutzerszenario“, das bedeutet: Der Bezirk müsse sich im Klaren darüber sein, wen genau er mit einem solchen Angebot ansprechen wolle. Sonst entstünden sogenannte „Bürgermeisterladesäulen“, die ein Stadtoberhaupt bauen lässt, die aber von niemandem genutzt werden.
Im Ausschusses für Umwelt, Natur und Lokale Agenda 21 wurde das Thema Elektromobilität offen und kritisch diskutiert. Unter anderem wurde die Problematik angeführt, dass auch mehr Strom erzeugt werden müsse, wenn sich die Anzahl an Elektrofahrzeugen erhöhe. Conrad Hammer unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung von regenerativen Energiequellen. Auf Nachfrage erklärte er, dass es in Berlin derzeit 650 Ladepunkte an 325 Standorten gebe. An Schnellladestationen sei eine Autobatterie in 30 bis 45 Minuten aufgeladen, an anderen dauere es sechs bis acht Stunden.
Nachdem im Ausschuss Kritik an der Konzentration auf das Thema Auto geäußert wurde, verwies Hammer auf eine groß angelegte Initiative, die vor allem im Lastenbereich für den Einsatz von Elektrofahrrädern wirbt. „Das ist ein Bestandteil der urbanen Verkehrswende“, betonte er.
Die Berliner Agentur für Elektromobilität wurde 2010 aufgrund eines Senatsbeschlusses gegründet. Getragen wird sie von der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH, Partner sind das Land Brandenburg sowie Unternehmen und Institutionen. Im Fokus stehe dabei die Schaffung von Arbeitsplätzen im Bereich der Industrie, erklärte Conrad Hammer. Dabei gibt es noch viel zu tun. Ein zentrales Handlungsfeld sei derzeit die Förderung von Technologie, berichtete Hammer. Nur so könnten Fahrzeuge in höherer Zahl hergestellt und langfristig günstiger werden.
Auch setze sich die Agentur dafür ein, dass Elektrofahrzeuge in verschiedenen Branchen getestet werden – unter anderem von der BSR und der BVG. „Meiner Meinung nach sollte das ein Thema für die gesamte Stadt sein“, unterstrich Conrad Hammer.
Der CO2-Ausstoß habe in Deutschland seit 1990 vor allem im Bereich der Industrie stark abgenommen – nur im Bereich Verkehr hat er um ein Prozent zugenommen, sagte der Projektmanager für den Bereich Landesprojekte und folgerte: „Wir brauchen nicht nur eine Energiewende, wir brauchen eine Mobilitätswende.“
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